Besuch Flatz-Museum, Ausstellung: Edith Tudor-Hart
Edit Suschitzky wächst in Wien in einer jüdisch geprägten Familie auf und ist wohl aufgrund der Buchhandlung ihres Vaters von Kindesbeinen an mit kulturellem Verständnis infiziert. Bereits ab dem Mädchenalter hat sie unter anderem aufgrund gesundheitlicher Unwägbarkeiten ein wechselhaftes Leben vor sich. Sie kommt 1925 nach London, macht eine Ausbildung zur Montessoripädagogin – und lernt einen glühenden Anhänger der kommunistischen Ideen kennen: Alexander Tudor-Hart.
Ab 1929 belegt sie in Dessau einen Grundkurs in Fotografie. Dokumentarische Fotografie mit dem Grundthema: soziale Ungerechtigkeit entwickelt sich zu einer Passion und vermischt sich mit ihrem beruflichen Umfeld, wo sie unter anderem als österreichische Auslandskorrespondentin für die TASS arbeitet, und bringt ihr letztlich eine Menge Probleme!
Als es in Wien für jüdische MitbürgerInnen immer ungemütlicher wird, ist ihre Bekanntschaft in London der lebensrettende Anker.
Das Jahr 1936 bringt eine Zäsur: ihr Sohn Tommy kommt zur Welt, ihr Ehemann Alexander verlässt die Familie, nun muss sie sich mit Fotografie als Alleinerziehende Mutter zurechtfinden!
Zu sehen sind Fotos ihrer sozialkritischen Dokumentation, und zeigen beeindruckende Szenen aus dem Alltagsleben von Kindern, Schülern, Arbeitern und den Entbehrungen im Allgemeinen vor ca. 100 Jahren!
Einige wenige Studio – Portraitarbeiten zeigen ihr fotografisches Können, Portraits voller Harmonie und Anmut verbunden mit professioneller Lichtsetzung.
Auf einigen wenigen Aufnahmen ist sie selbst zu sehen – besonders beeindruckend das Selbstportrait aus 1936. Leere Augen die an der Kamera vorbeiblicken, die Zigarette in der Hand, dunkler Pullover vor schmuddeligem Hintergrund: Tristesse!!
Zwei Mal ist ihr Archiv verloren gegangen – trotzdem gibt es ausreichend Fotos (Archiv Fotohof.Salzburg) in der sie diese Zeit eindrucksvoll – ohne mahnenden Zeigefinger – dokumentiert!
Die Ausstellung kann noch besucht werden bis 3. Oktober. 2026
Flatzmuseum / Dornbirn – Lesenswertes über Edit Tudor-Hart
Text und Foto: Peter Perkmann – Kontakt: art@peterperkmann.at
Hinweis: dieser Artikel gibt meine persönliche Wahrnehmung wieder, die sich durchaus von Ihrer unterscheiden kann!
