Fünf Dörfer 5 Bilder

Fotoprojekt von Udo Frizzi


Die Sonne brennt vom blauen Himmel. Es ist wieder einer der heißen Tage. Gestern (3.7.) war die Vernissage von Udo Frizzis Ausstellung: Fünf Dörfer fünf Bilder. Bevor ich zum Künstlergespräch fahre, schaue ich mir die fünf Dörfer erst einmal in natura an. Ich bin mit meinem Motorrad unterwegs. Das macht die „Sight Seeing Tour“ sehr viel einfacher. Schon bei der Abzweigung ins Stubaital kommen mir hunderte von Autos entgegen. Je tiefer ich vordringe, desto mehr Wanderer und Touristen sind unterwegs. Das soll mich aber nicht abhalten. Also schaue ich mich mal bewusster um: Mieders, Telfes, Fulpmes, Neustift … Ihr kennt die Dörfer eh. Der Blick bleibt ambivalent. Je nach dem, was ich suche, finde ich die klassische Dorfstruktur: Ein Dorfplatz mit Kirche, ein Gasthof, das Gemeindeamt vielleicht auch noch ein Greisler oder doch schon der Supermarkt. Dann doch der andere Blick: Hotels und Pensionen, Parkplätze, Souvenirläden, die gelbe Wanderwegbeschilderung. Ich frag mich: Was würde ich hier fotografieren?

Als Fotograf bilde ich nie die Wirklichkeit ab, das ist mir klar. Ich zeige nur das was ich zeigen will. Fotografie zeigt immer nur eine Verzerrung. Udo eskaliert die Verzerrung. Nicht nur durch seinen suggestiven Blick, sondern zusätzlich durch Infrarotfotografie. Dabei wird das klassische erfassbare Lichtspektrum der Kamera um den Nahinfrarotbereich erweitert. Das ist jetzt der Zeitpunkt ab dem das Digital Imaging (aka digitale Fotografie) voll zu Zug kommt. Mit der umfassende Nachbearbeitung der Aufnahmen kann der Fotokünstler die Welt in anderen Farben zeigen. Das geht ohne das Einbeziehen des IR-Spektrums natürlich auch, aber mit dieser Technik ist es wohl eine interessante Herausforderung. Der Fotograf weiss nie in welcher Farbe seine Aufnahmen später auf dem Bildschirm erscheinen. Ohne extensive Nachbearbeitung ist diese Technik nicht sinnvoll. Es liegt am Künstler, was er aus dem Rohmaterial macht.


Also mache ich mich auf zum Gemeindeamt nach Mieders. Dort stellt Udo aus. Nach dem Wochenende (3.-5.7.) soll eine Auswahl der Bilder auch noch in Neustift zu sehen sein. Abseits der Hauptroute, der Touristen, ist hier in Mieders nicht viel los. Beschauliches Dorfleben empfängt mich. Irgendwoher ist Disco-Musik zu hören. Hier wird eine Party gefeiert. Der Weg zum Ausstellungsraum ist schnell gefunden. Im Dachgeschoss des alten Gemeindehauses findet sich ein großzügiger und heller Raum. Die ursprüngliche Holzkonstruktion ist zu sehen, sie ist von modernen Bauelementen unterbrochen. Und da hängen die Bilder. Luftig und locker scheinen die Fotografien im Raum zu schweben. Udo hat sie mit eigenen Texte ergänzt. Auch sie scheinen frei im Raum zu schweben. Sie unterbrechen den Blick auf die Bilder und laden zum Verweilen, zum Lesen, zum Nachdenken ein.

Die Bilder sind über einen längeren Zeitraum hinweg aufgenommen worden, so erzählt es mir Udo. Mit Hilfe von Infrarotaufnahmen soll eine gewisse Abstraktion geschaffen werden. Jedes Dorf erhält einen anderen Farbton. Die Motive wechseln zwischen absurd und romantisch. Jedes Bild bietet bei genauerer Betrachtung einen Hintersinn. Da ist zum Beispiel der Viehtransporter, der an einem Supermarkt vorbei donnert oder das Wohnwagengespannt, vor der Mautstation, das gerademal den gesamten Verkehr blockiert. Ein Mülleimer mitten in einer idyllischen Szenerie oder der Traktor am Ende einer romatischen Dorfstrasse.

Die Texte, dazwischen, ergänzen das Gesehene. Udo möchte dem Betrachter gerne etwas mitgeben, auf dem Weg durch die Bilderlandschaft. Auch in den Texten ist der Hintersinn zu finden. Worte zu Sätzen, Sätze zu einem Gedanken. In diesem Projekt steckt sehr viel persönliches. Ich kennen Udo zu wenig, um das einordnen zu können. Aber die Ausstellung erscheint als rundes und durchdachtes Ganzes. Immer wieder bleibe ich an einem Bild hängen. Lese einen Text, der meine Sicht ändert, erweitert, mich nachdenken lässt.


Das Buch zur Ausstellung ist eine schöne Zusammenfassung. Auch hier steckt viel Arbeit und Herzblut drinnen. Klar kann ein Buch nie den Eindruck der Ausstellung wirklich wiedergeben. Aber es ist immer eine schöne Ergänzung und auch eine Dokumentation des Projekts. Die Ausstellung in Mieders war zwischen 3.7. und 5.7. im alten Gericht von Mieders zu sehen. Wer sie verpasst hat kann zumindest das Buch über Udo’s Web-Seite bestellen.

EigenAnsichten.art – Udo Frizzi

Fünf Dörfer fünf Bilder

Text und Bild: Christian Schilffarth