Festival la Gacilly Baden Photo

Von Dagmar Reinstadler

Erst letztes Jahr wurde ich von einer Freundin auf das jährlich stattfindende „Festival La Gacilly Baden Photo“ in Baden bei Wien aufmerksam gemacht.

Für mich war sofort klar, dass ich gemeinsam mit meiner besseren Hälfte bei nächster Gelegenheit meinen Bruder im Wienerwald besuchen und im Zuge dessen einen Abstecher nach Baden zum Fotofestival machen werde. Der Plan wurde Ende Juli in die Tat umgesetzt.

Das Festival entstand aus einer mittlerweile 9-jährigen Zusammenarbeit zwischen La Gacilly in Frankreich und Baden bei Wien. Im Vorjahr in La Gacilly gezeigte Bilder werden ein Jahr später in Baden präsentiert. Jahr für Jahr geht es in diesem Takt weiter.

Die heurige Ausstellung steht unter dem Motto „SO BRITISH“. Sie ist dem kürzlich verstorbenen britischen Dokumentarfotografen und Fotojournalisten Martin Parr sowie der ebenfalls 2025 verstorbenen Verhaltensforscherin, Jane Goodall, die für ihren Einsatz als Tier- und Umweltschützerin mehrfach ausgezeichnet wurde, gewidmet.

Die Briten sind bekannt für ihren Humor und einer gewissen Extravaganz. Daraus entwickelte sich eine eigene Kunstform. Diese wird u.a. in den Gärten und der Innenstadt von Baden vom 12. Juni bis 11. Oktober 2026 in einer Open Air Galerie auf einer Strecke von 7 km mit ca. 1.500 Werken namhafter Fotografinnen & Fotografen aus aller Welt eindrucksvoll präsentiert.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Zukunft unseres Planeten und der Menschheit. Gezeigt werden auch Fotografien von der Schönheit der Natur und deren Schutz.

 Am Vorplatz der Römertherme, dem Brusattiplatz, beginnt das Spektakel. Alle Informationen, wie Festival-Kataloge und Ausstellungspläne mit einer genauen Darstellung der Route, der einzelnen Stationen und deren Künstler, sind dort zu finden. Die Freiluftausstellung besteht aus einer Garten-Route, sie führt durch die reizvollen Parks von Baden, und einer Stadtroute. Aufgrund der Wettervorhersage zu erwartenden hochsommerlichen Temperaturen wählten wir zum Start die Parkroute.

Die Tour beginnt mit großformatigen Fotos in schwarz-weiß von Tony Ray-Jones.

Ab durch die Hecke. London, 1965

Dann „knallte“ es so richtig mit den Werken von Josh Edgoose unter
dem Titel „Swinging London“.

Nach den „Legenden der Rockmusik“ von Terry O’Neill ging es weiter auf dem begrünten Parkrasen mit dem schwermütigen Teil der Ausstellung. Unter dem Titel „Das Leben, der Tod und was bleibt“ werden schwarz-weiße Fotos von Don McCullin ausgestellt. Sein Interesse gilt insbesondere den Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind. Er hielt unter anderem Obdachlose, Einwanderer und Arbeiter mit der Kamera fest.

Frühschicht, Stahlwerk West Hartlepool, County Durham, England, 1963

Daran anschließend wird es wieder bunter mit den Fotos von Cig Harvey unter dem Titel „Sinnliche Erfahrungen“.

Besonders beeindruckte uns das Foto dieses alten Mannes, welches eine ganze Hausfassade zierte.

Von Station zu Station arbeiteten wir die Parkroute ab, wobei die Temperaturen unerwarteterweise recht angenehm waren. Kurzerhand hängten wir noch die Stadtroute an. Die Ausstellungsgruppen sind hier nicht mehr so dicht aneinandergereiht, doch anhand des Stadtplanes problemlos zu finden.

Und so klapperten wir auch die Stadtroute fast zur Gänze ab, ehe uns knapp vor dem Ende ein kurzer Regenguss überraschte. Ein paar Tage später und Temperaturen von bis zu knapp über 40°C sehnten wir uns vergebens nach einer ähnlichen Abkühlung. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Einen Wunsch habe ich dennoch: einen weiteren Besuch in Baden! Vielleicht schon nächstes Jahr? Die Präsentation der Fotos ist wirklich sehr beeindruckend und jeden Umweg wert.

Text und Fotografien: Dagmar Reinstadler