Die festgehaltene Zeit

Von Peter Perkmann

Ein Foto hält einen Augenblick fest – diesen Gedanken kennt jeder. Doch was heißt das genau? Welche Zeit ist es die im Bild sichtbar ist? Geht es nur um den Augenblick, zeigt das Foto mehr oder sogar anderes?[1]

Der fotografisch festgehaltene Augenblick ist nicht nur festgehalten sondern macht das Foto zu einem Zeitdokument. Es hält jenen kurzen Moment fest aber dieser kurze Moment ist vergangen, läßt sich nicht wiederholen, aber ansehen.

Aber was, wenn wir nicht nur diesen einen kleinen Augenblick mir der Kamera festhalten wollen, sondern der Kamera eine größere Zeiteinheit zugestehen. Wenn wir beispielshaft die Bewegung einer Tänzerin festhalten wollen, diese Dynamik, diesen Ausdruck, diese Geste? Geht das – ohne dass wir gleich an eine Filmsequenz denken?

Ein Blick aus dem Fenster vor wenigen Tagen hat mich zur Eile getrieben: Kamera in den Rucksack, vorsichtshalber gleich einige ND-Filter mit dazu und natürlich das stets griffbereite Stativ!

Standort gesucht, gefunden, Stativ aufgestellt und Kamera darauf montiert, Bildausschnitt gewählt … und voila von einem Moment auf den Nächsten war die gewünschte Szenerie vorerst mal futsch!

Die feinen Wolkenfetzen die sich um eine Häusergruppe am Gegenhang sachte vorbeigeschlängelt hatten sind einem dunkeln konturlosen Wolkenknäuel gewichen, die Sonne versteckt gleich dahinter!

So, nun hieß es LANGe warten. Ich hatte nun ausgiebig Zeit die Kamera auf den hoffentlich eintretenden Augenblick vorzubereiten.

Nach einer gefühlten halben Stunde, kurz vor dem Ende meiner Geduld wechseln Wind und zaubern mir wieder eine annehmbare Situation! Nun hieß es keine Zeit zu verlieren, drei, vier Aufnahmen mit leicht unterschiedlichen BELICHTUNGszeiten und schon wieder vorbei der ganze Zauber! Wie man sieht, benötigt man für eine Langzeitbelichtung ausreichend Vorbereitung und Zeit um eine Aufnahme in den „Kasten“ zu bekommen: für eine Aufnahme von 13sec immerhin ca. 30min vor Ort – aber im Foto habe ich nun ein wenig von der Dynamik und der Bewegung der Wolkenschleier eingefangen – etwas das unser Auge im Augenblick der Aufnahme NICHT sieht!!


[1] Holger Ostwald: eine kleine Philosophie der Fotografie

Hinweis: dieser Artikel gibt meine persönliche Wahrnehmung wieder, die sich durchaus von Ihrer unterscheiden kann!