Ich schließe meine Augen, als ich ganz vorne in der ersten Reihe stehe. Es ist fast unerträglich heiß. Der Schweiss tropft mir von der Stirn. Das wenige Gras am Pistenrand ist gelb und vertrocknet. Die Luft vibriert über dem Asphalt. In der angespannten, absoluten Stille ist, weit entfernt, nur ein Vogel zu hören. Dann, endlich, erst noch weit entfernt, dann immer näher kommend, ein Dröhnen. Ich habe meine Kamera im Anschlag. Vor fokussiert, feste Belichtungszeit, kleine Blende und mit dem Blick auf das Kurvenende. Mein verschwitzter Finger liegt zitternd auf dem Auslöser. Das Motorengeräusch wird immer lauter. Noch sind die beiden Boliden nicht zu sehen. Ich bin mir nicht sicher, ob meine vorgewählte Kameraeinstellung ausreicht, um die beiden Fahrzeuge einzufangen. Das Brüllen der Motoren ist fast unerträglich laut als sie, im Bruchteil einer Sekunde, an uns vorbei jagen. Ein Aufschrei geht durch die Menge. Ich ziehe mit der Kamera mit und drücke den Auslöser bis zum „Bodenblech“ durch. Dann einen Raunen: „Wer lag vorne“? Langsam legt sich der aufgewirbelte Staub wieder und gibt den Blick frei auf die Piste. Ein kurzer Windstoss vertreibt den Geruch nach verbranntem Öl, Gummi und Abgasen. Alles versinkt aufs Neue in angespannter Ruhe. Nur der Gesang der Lerche ist wieder zu hören. Habe ich den Auslöser betätigt? Ich bin mir nicht mehr sicher. Ein Blick auf den Filmzähler verschafft mir Entspannung. Ich habe zumindest 12 Negative belichtet. Noch dreimal wiederholt sich das Schauspiel, dann ist mein Film zu Ende. In der Dunkelkammer wird sich die Wahrheit zeigen. Als ich meine Augen wieder öffne, finde ich mich im Museum wieder – one shot story.

Autor/Fotografie: Christian Schilffarth
