David Steinbacher – Die Studiofotografie 2012-2024
Vernissage
Man trifft sich zur Vernissage im WEIS RAUMforum. Es ist Dienstag kurz vor 19:00. Eine bunte Schar von Gästen hat sich eingefunden. Darunter eine Gruppe Teenager. Etwas irritiert betrachten sie die sechs großformatigen Fotografien. Überhaupt scheint der Fokus der meisten Besucher mehr auf Small Talk zu liegen, als auf den Arbeiten. Hin und wieder verirrt sich der Eine oder Andere zur Buchauslage. Drei Bildbände von David Steinbacher, liegen hier zu Ansicht aus: „Plänarsäle“, „Meerblau“ und eben das neueste Werk, „Die Studiofotografie 2012 – 2024“.
Die sechs Bilder an der Wand sind Schlaglichter aus seinem aktuellen Buch. Zwei Bäume (Bonsai), drei Bergreliefe (3D-Drucke der höchsten Gipfel) und zwei Origami-Skulpturen (gefaltet aus den Papierresten des weißen Studiohintergrunds). Alle Objekte werden vor einer weißen Hohlkehle fotografiert und neutral ausgeleuchtet. Das Ziel: Der Größenbezug soll verloren gehen. Durch die überdimensionalen Ausmaße der Fotos (gefühlt: 2 m mal 2 m) wirken die Objekte seltsam versetzt. David Steinbacher kommt aus der Werbefotografie und weiß genau, wie er mit der Lichtsetzung und seiner Kameraposition umzugehen hat, um eine bestimmten Effekt zu erreichen. (Anmerkung: Ich hätte mir mehr Tiefenschärfe bei den Bäumen gewünscht.)
Die Bilder strahlen auf der einen Seite große Ruhe aus, auf der anderen Seite aber auch eine große Sterilität. Wie Lena Ganahl (Laudatorin) anmerkt, zeigt keine Fotografie die Wirklichkeit. Jede Aufnahme ist eine vom Fotografen gewollte Irreführung des Betrachters. Es ist der Versuch vom Objekt, zum Foto, zum Bild, Schritt für Schritt, die Realität zu verlassen, um, wie in diesem Fall, die Größenverhältnisse, im Kopf des Betrachters, zu verschieben. Im Buch kommt dieser Effekt naturgemäß nicht so gut rüber, an der Wand um so besser.
Apropos Buch: Das war ja der eigentliche Aufhänger für diese Vernissage. Die Gestaltung ist absolut gelungen. Das Layout, die Typografie (Annja Krautgasser) und die Texte (Synne Genzmer, Kerstin Stremmel und Jürgen Tabo) sind sehr liebevoll gemacht. Zu beziehen sind die Bücher über den Abo Verlag.
Auch wenn die Vernissage eher „überschaubar“ bleibt, eine interessante Aussicht bietet die Finissage. Am 19.03.2026 (19:00) lädt das WEI SRAUMforum zum Künstlergespräch ein. Anja Krautgasser unterhält sich mit David Steinbacher. Vielleicht wird dieser Abschnitt der Ausstellung etwas spannender. Die Hoffnung stirb ja bekanntlich immer zuletzt.





David Steinbacher I WEIS RAUMforum, Abo Verlag
Autor: cS
