Neulich in Paris….

Ein Besuch bei Jeu de Paume

Wir hatten bereits das „Musée Picasso“ und das „Maison de la photographie“ besucht, da fehlt plötzlich beim Besuch des Bistos um die Ecke meine Lesebrille. Wo zu Kuckuck war sie bloß geblieben..?!

Ein Anruf „bei Picasso“ und nochmals zurück die Gässchen des Marais und durch den Place de Vosges dann blieb eigentlich nur mehr die Dame an der Reception die hartnäckig die Farbe der Brille nachfragt (welche Farbe hat ein schmales metallenes Brillengestell?!).
OK – Brille wieder im Rucksack – aber nun wird aus dem geplanten üppigen Zeitpolster bis zur nächsten Ausstellung plötzlich Hektik auf die Uhr…
Nicht nur, dass es widerwärtig regnet, der Wind ums Eck pfeift und die Handschuhe temperaturbedingt ein Glücksfall sind, steht schon wieder „tout le monde“ vor dem Einlass des „Jeu de Paume“ – mon dieu!!!!

Wir gleiten allerdings elegant um die Wartenden, zücken unser vorab gekauftes Ticket – und schwupps sind wir schon im Gebäude!
Wer glaubt, dass drinnen weniger Besucher sind als draußen irrt; schon das Ergattern einer freien Garderobebox erfordert Geduld, Raffinesse und blitzartiges Reagieren.

Im ersten Stock sind dann ALLE Besucher gleichzeitig versammelt. Ein Betrachten der Fotos von Martin Parr wird eher zu einer soziologischen Übung als eines genussvollen Ausstellungsbesuches, denn stets picken viele Besucher beinahe mit ihren Nasen auf den Fotos oder die Selfiestangen der ehrfurchtsvoll staunenden asiatischen Besucher stellen Herausforderungen an unser Nervenkostüm!
Ja, die Fotos von Martin Parr sind (soweit wir das zwischen den Besucherrücken wahrnehmen konnten!) fotografisch perfekt gestaltet; Bildkomposition, thematische Umsetzung, Belichtung – und ja das vermitteln einer Geschichte. Es wird im Kontext der Besuchermassen die ganze Geschichte der menschlichen Verrücktheiten erzählt – Gesellschaftskritik bis hin zum „Global Warning“ – das ist ja auch der Ausstellungstitel!
Total erschöpft stapfen wir die Stufen runter ins Cafe, wo uns leider auch eine wartende Menschenmenge den Zutritt verwehrt!
Während Sabine sich in einen Plüschsessel fallen läßt, wage ich den Versuch die zweite Ausstellung im Souterrain zu besuchen – wir haben ja schließlich dafür bezahlt!

Hier langweilen sich die Einlassdamen geradezu, die wenigen Besucher haben allen Platz der Welt um die Fotos und Fotoserien der Jo Ratcliff zu bewundern. Die Fotos – alle in Schwarz/Weiss – strahlen Ruhe aus; das Thema der Ausstellung „out of place“ lädt ein die Bilder zu betrachten, sich in die Fotos hineinfallen zu lassen.

Wie schade, dass ich den Ausstellungsbesuch nicht hier herunten begonnen habe!
Die Ausstellung kann noch besucht werden bis 24. Mai. 2026

Hinweis: dieser Artikel gibt meine persönliche Wahrnehmung wieder, die sich durchaus von Ihrer unterscheiden kann!

Autor: Peter Perkmann|Jeu de Paume