Fotomuseum Winterthur – Ester Vonplon
Ausstellungsbesuch
„Ich war noch niemals in New York…“ lautet der Titel von Udo Jürgens aus dem Jahre 1982. Obwohl gefühlt nur einen Flügelschlag entfernt, hieß es für mich bis letztes Wochenende: „Ich war noch niemals in der Schweiz…“. Wohlwissend, dass ein Aufenthalt bei unseren westlichen Nachbarn kein Schnäppchen bedeutet, gönnte ich mir diese kleine Auszeit, um endlich einmal den Züricher See zu Gesicht zu bekommen.
Der eigentliche Höhepunkt dieses Besuches sollte ein kleiner Seitensprung ins benachbarte Fotomuseum in Winterthur sein. Dass in Zürich vom 17. bis 20.4. ein großes Frühlingsfest, das „Sechseläuten“ mit großen blumenreichen Paraden gefeiert wird, wusste ich bis zu meiner Ankunft nicht. Umso überraschter war ich, eine Hauptstadt vorzufinden, in der die Post abging.
Aber jetzt zu meinem vorab geplanten Highlight, dem Besuch des Fotomuseums in Winterthur. Besonders neugierig war ich auf die Arbeiten von Ester Vonplon unter dem Titel „Flügelschlag“. Was hatte ich doch für ein Glück, dass genau bei meinem Eintreffen ins Museum eine eindrucksvolle Führung zu den Arbeiten der Schweizer Künstlerin begonnen hat.
Vonplon nutzte für ihre Serie „Flügelschlag“ die Technik des Fotogramms. D.h. die Arbeiten sind ohne den Einsatz einer Kamera entstanden. Es handelt sich bei dem Projekt um ein Experiment, für das die Künstlerin längst abgelaufenes über 100 Jahre altes Fotopapier der Marke Cellofix verwendete. Durch Zufall entdeckte Vonplon, dass sich dieses Papier immer noch belichten ließ, jedoch unkontrollierbar geworden war. In der Folge suchte sie sich in der Schweiz abgelegene, kaum erschlossene Plätze in einer intakten, nicht durch Menschenhand veränderten, Natur. Dort legte sie die Papiere mit Abdrücken von gesammelten Fundstücken wie Pflanzen, Tieren, Pilzen und Steinen aus, die somit natürlich belichtet wurden. Die abgedeckten Stellen blieben hell, die belichteten verdunkelten sich. Beim Rückweg von ihren Wanderungen sammelte sie die Papiere wieder ein.
Die extravaganten Ergebnisse wurden anschließend für die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur eingescannt und großformatig ausgedruckt. Die Werke sind noch bis zum 14.06.2026 ausgestellt.
Auf meine Erlebnisse in Zürich kann ich jetzt leider nicht mehr näher eingehen, da dies den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde. Für neugierige Nichtwissende bietet Dr. Google umfassende Infos zum Frühlingsfest „Sechseläuten“ in Zürich. Es war auf jeden Fall megacool und jeden Umweg wert.


Autorin: Dagmar Reinstadler
Fotografien (c) 2026 Dagmar Reinstadler
