Thomas Driendl auf den Jenbacher Fototagen
Sein Vortrag: Experimentieren mit Fotografie
Die Fototage in Jenbach sind in Tirol eine feste Größe. Eine kleine Schar von Fotografen, aus der Region, zeigen hier Ihre interessantesten Arbeiten. Viele eher konservativ, wenige mutiger, einzelne innovativ. Eine Bereicherung für den Besucher ist nicht nur die Möglichkeit für individuelle Künstlergespräche und Diskussionen, sondern auch die angebotenen Vorträge. Unter anderem war dieses Jahr Thomas Driendl mit einer kleinen Auswahl seiner Werke vertreten und auch mit einem sehr persönlichen Vortrag zu seinem Thema: Experimentieren mit Fotografie.
Dabei war der Weg von Thomas hin zum Fotokünstler kein geradliniger. Erst mit dem Besuch der Prager Fotoschule in Linz, kam für Ihn die Fotokunst in den Blick. Thomas hat dort nicht nur seinen Abschluss gemacht, sondern auch seinen künstlerischen Stil entwickelt. Dabei war es ein Zufall, oder besser gesagt ein Unfall, der ihm den Weg vorgezeichnet hat.
Der „Unfall“ passiert während eines Fotoworkshops. Das Thema: Nachtfotografie, der Ort: eine mittelalterliche Burg. Blöd nur, wenn einem das Stativ in den Burggraben fällt und damit nicht nur weg, sondern auch unbrauchbar, ist. Also was tun? Nachtfotografie, ohne Stativ! Jeder würde jetzt erstmal sagen: Ok, das war’s, dann eben nicht. Thomas hingegen nimmt die Herausforderung an und macht genau das, was die „Akademiker“ unter den Nachtfotografen erstmal ablehnen: Lange Belichtungszeiten aus der Hand – Verwackeln ist garantiert!
Aus dieser Situation hat Thomas systematisch seinen künstlerischen Stil entwickelt. Während die einen bei Langzeitbelichtungen das Licht bewegen (malen mit Licht), bewegt Thomas seine Kamera oder die Optik. Die Mehrfachbelichtung auf der einen und die Langzeitbelichtung auf der anderen Seite bilden die Basistechniken. Thomas legt dabei Wert darauf, dass die Bilder in bzw. mit der Kamera entstehen und nicht in der digitalen Bildbearbeitung, danach.


Interessant waren bei Thomas Vortrag, auf den Jenbacher Fototagen, die technischen Hinweise. Zu allererst, erklärt Thomas, der Fotograf benötigt keine besondere und teure Technik, um ähnliche Bilder zu generieren. Sicher, die Kamera sollte ein paar Grundfunktionen mitbringen, wie „Mehrfachbelichtung“ oder manuell Belichtungssteuerung. Ein Zoom-Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 24 mm bis zu 300 mm, kann das Paket abrunden. In machen Fällen kann auch ein ND-Filter helfen. Und natürlich lässt sich das alle auch mit der analogen Filmfotografie realisieren. Egal welchen Weg man einschlägt, es gilt bei Thomas die Devise: Weniger (Technik) ist mehr (Kreativität).
Die Situation erkennen, den Moment nutzen. Die richtige Technik passend zum Motiv anwenden. Das macht Thomas Bilder aus. Nichts ist gestellt oder arrangiert. Alle Bilder entstehen aus dem Moment. Wobei die Belichtungszeiten schon recht lang seinen können und er damit nicht nur sein Motiv, sondern auch den Lichtverlauf und damit auch ein bisschen die Zeit einfriert.
Und das mit viel Erfolg. Thomas Bilder waren in Ausstellungen, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland, Italien, der Schweiz und in Japan, zu sehen. Dies zeugt vom großen Interesse des Publikums. Die Mischung aus scheinbar konkreten Motiven, die in der Bewegung oder der Spiegelung zu etwas ganz anderem werden, lässt den Betrachter staunen und träumen. Fotografie einmal ganz anders.
Autor: cS
